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Art Deco - Kunstgattung eines neuen Lebensgefühls

"Art Deco" ist die Kurzform des französischen Begriffs "art décoratif" und bedeutet übersetzt so viel wie "dekorative Kunst". Es handelt sich dabei um eine künstlerische Bewegung aus der Zeit von etwa 1920 bis 1940, die sich mit der Formgebung von Gegenständen des täglichen Lebens, Kunstobjekten aber auch mit Kleidern und Schmuck mit Möbeln, Fahrzeugen und Gebäuden befasste.

Anders als zum Beispiel bei der Renaissance, beim Rokoko oder beim Jugendstil fehlen beim Art Deco einheitliche Stilelemente, es geht vielmehr um einen Aufbruch aus der verstaubten Tradition. Um eine gestalterische Brücke zwischen der Eleganz der Formen, kostbaren Materialien, der Leuchtkraft von Farben und einer neuen Sinnlichkeit. Die Bewegung des Art Deco richtet sich gegen die Massenproduktion von Kunst und Gebäuden, deren einziger Sinn ihre Zweckmäßigkeit ist. Alle Dinge sollen besonders, sollen schön und kostbar oder wenigstens einzigartig sein. Dekorative Elemente sind beim Art Deco von herausragender Bedeutung. Ganz charakteristisch sind stilisierte florale und organische Motive. Aber auch ganz klare geometrische Formen und neue Werkstoffe sind Teil des Art Deco. Die Epoche verkörperte ein ganz neues exklusives Lebensgefühl.

Wann und wo entstand Art Deco?

Ein Ursprung des Art Deco liegt in Wien. Dort gründeten Fritz Wärmdörfer, Josef Hoffmann und Koloman Moser 1903 eine Werkstätte für elegante Inneneinrichtungen, in der, beeinflusst durch den englischen und schottischen Jugendstil, die Grundlagen für den Stil jener Möbel und Accessoires geschaffen wurden, die 22 Jahre später Art Deco genannt wurden. 1925 fand dann in Paris eine Weltausstellung für Industriedesign und Kunstgewerbe unter dem Namen "Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes" statt. Nach ihr wurde der Art Deco Stil benannt. Revolutionäre Neuheiten der Ausstellung der internationalen Avantgarde waren unter anderen aber auch Sperrholzmöbel und eine von Le Corbusier entworfene "Wohnmaschine".

Welche Bereiche gehören zum Art Deco?

Grob unterteilt lässt sich Art Deco in zwei große Bereiche unterteilen, die Architektur und die Gebrauchsgegenstände bzw. das Industrie-Design.

Architektur im Art Deco

In der Architektur gibt es ebenfalls keine eindeutigen Merkmale, die den Art Deco Stil definieren, trotzdem finden sich einige Gemeinsamkeiten wie die Formen-Eleganz und Elemente vergangener großer Kulturen.

Auch heute noch finden sich überall auf dem Globus ganze Straßenzüge und Stadtviertel aber auch einzelne Gebäude, die diese ganz besondere Eleganz verströmen. Ein Beispiel ist die französische Stadt Reims, die nach schweren Zerstörungen im ersten Weltkrieg fast vollständig im Art Deco Stil wieder aufgebaut wurde. Auch die neuseeländische Küstenstadt Napier und die Hauptstadt Eritreas Asmara sind zu fast zu 100 Prozent ein Produkt des Art Deco. Bekannt sind auch das Art Deco Viertel in Miami-Beach/USA und die Art Deco Gebäude in der Stadt Bandung auf West-Java. Die berühmtesten Art Deco Gebäude der Welt sind das Crysler Building in New York, das Le Grand Rex, ein Pariser Theater und Kino und das Theatro Eden in Lissabon. In Deutschland sind besonders das Berliner Renaissance Theater und das Grassi-Museum Leipzig bekannt.

Gebrauchsgegenstände und Kunstobjekte zwischen Jugendstil und Funktionalismus

Bei den Gebrauchsgegenständen und Kunstobjekten bewegt sich Art Deco zwischen dem vorhergehenden Jugendstil mit seinen rankenden floralen Formen einerseits und den geometrischen Elementen des Funktionalismus mühelos hin und her. Üppige reiche Dekoration ist genauso kennzeichnend wie edles Material, zum Beispiel Silber, Bronze, Elfenbein, Perlmutt, Kristall, Ebenholz oder exotische Lederarten. Beim Industrie-Design sind völlig neue Materialien verwendet worden, wie zum Beispiel Kunststoffe und Metalle mit Chromüberzug. Autos werden stromlinienförmig und windschnittig, Kleider zeigten entweder florale Muster oder klare geometrische Formen und sind aus kostbaren Stoffen wie Brokat und Seid mit verschwenderischen Spitzenbesatz und aufwändiger Bestickung. Der beginnende Zweite Weltkrieg beendete das Zeitalter des Art Deco. Die Zeiten waren zu schlecht für die von ihm betriebe Zurschaustellung von Luxus und üppiger Dekoration. Trotzdem hat es zu allen Zeiten Liebhaber des Art Deco gegeben und auch heute noch kann man mit gut erhaltenen Originalen oder perfekten Nachbildungen im Art Deco Stil einrichten.

Art Deco Gemälde - Eleganz und Dynamik

Von Eleganz und edlen, neuartigen Materialien wie Seide, Porzellan, Ebenholz und Metallen wie Aluminium, Chromstahl geprägt, entwickelt die Kunstbewegung eine für sie so typische Extravaganz. Die Art Deco Malerei greift diese neu entstandene Dynamik auf und zeichnet sich in unbeschwerten und sinnlichen Motiven ab. Art Deco Gemälde zeigen dabei eine gestalterische Perfektion von kräftigen Farben und schwungvollen Formen, wie sie zum Beispiel von dem expressionistischen Künstler Henri Matisse oder der Stilrichtung Fauvismus bekannt sind. Auch lässt sich eine gewisse Verspieltheit der Bilder erkennen, die oftmals von floralen oder organischen Inhalten noch aus dem Jugendstil herrührend, unterstrichen werden. Typische Art Deco Gemälde tragen zudem einen kräftigen Farbanstrich, der oft eine flächenhafte Gestaltung mit sich bringt. Manches Mal entsteht durch diese Art der Malerei ein plakativer Eindruck, der durch den bewussten Verzicht von Natürlichkeit und Schatten erreicht wird. Weiteren Einfluss erhält die dekorative Kunst von der kubistischen Malerei, deren Einfluss sich in dem Aufsplitten der Formen widerspiegelt. Im Großen und Ganzen bedient sich die Kunstrichtung einer klaren und zugleich schlichten Formsprache, die stets die von Glamour geprägte Lebensart aufweist.

Berühmten Gemälde des Art Deco

Es gibt eine Vielzahl an Künstlern, für die Gattung des Art Deco als wegweisend gelten. Aus diesem Grund sollen an dieser Stelle nur wenige, dafür umso bedeutendere Maler hervorgehoben werden. Einer von diesen ist der aus St. Petersburg stammende Erté, auch unter dem Namen Romain de Tirtoff bekannt. Berühmtheit erlangten seine Art Deco Gemälde mit den Titeln "Glamour", "Sunrise", "Gala", "Monaco", "Vell Gown", "Faubourg St. Honore", "Directoire", "Place de l’opera" oder verschiedene Ausführungen seines Werks "Evening Dresses and Curtains". Als Illustrator, Modedesigner und Bühnenbildner gilt Erté als einer der wichtigsten Repräsentanten des Art Deco. Sein von Kubismus geprägter Stil zeigt verbindende Elemente mit dem exotisch anmutenden Dekorativismus.

Eine weitere sehr geschätzte Persönlichkeit in der Art Deco Malerei verkörpert die gebürtige Polin Tamara de Lempicka. Ihre künstlerischen Werke tragen die Bezeichnung "Mädchen in Grün" oder "Young Lady with Gloves", "Die Schläferin", "The Beautiful Rafaela", "Eva und Adam" oder "Tadeusz Lempicki", um nur einige Werke zu nennen. Tamara de Lempicka wurde als das Gesicht des Art Deco Kunststils angesehen. Sie gewann viele Anhänger mit ihrer Schönheit und überzeugte mit ihrer Fähigkeit, das Schöne zu kreieren. Ihre Malerei vereinte eine gewisse Kühle, Eigenschaften der Renaissance und kubistische Inhalte von Körpern miteinander. Gekonnt fügte Lempicka den Kompositionen einen Hauch von Sinnlichkeit und glamourösem Schauspiel hinzu, was den Lebensnerv jener Zeitgeschichte ins Mark traf. Weitere Art Deco Gemälde verdankt die heutige Zeit dem französischen Maler George Barbier. In Nantes geboren, schuf der Illustrator und Modeschöpfer des Art Deco wertvolle Kunstobjekte wie "Verliebte im Schnee", "Farewell", La vie Parisienne", "Fashion Plate Depicting Ladies in Redfern Evening Dress and Borromean Isola Bella in the Background", "Falbalas Et Fanfreluches", "L’Envie" oder eine Anzahl an sogenannten George Barbier Illustrationen, die stets großen Anklang in der Art Deco Bewegung fanden.

Figuren und Skulpturen im Art Deco

Die Formen der Figuren und Skulpturen zeichnen sich durch eine besondere Eleganz aus. Es werden starke Farben genutzt, aber auch leichte Pastellfarben sind Bestandteil des Art Deco. Sinnlichkeit hat sowie in Architektur und Malerei auch beim Schaffen einer Skulptur einen hohen Stellenwert. Neue Materialien, wie Stahl oder Baskelit werden verwendet, aber auch ältere kostbare Materialien, wie Marmor, Bronze oder Gold werden einbezogen. Es sind die klaren Linien und die geometrischen Formen, die Art Deco Figuren zu etwas Besonderem machen und auch die hohe Qualität der fertigen Figuren ist ein wichtiges Merkmal. Florale und organische Elemente dominieren.

Tänzerinnen - die berühmtesten Figuren

Die größte Gruppe von speziellen Art Deco Figuren stellen Tänzerinnen dar. Diese Figuren zeigen die schlanke Weiblichkeit von tanzenden Frauen in voller Sinnlichkeit. Die Tänzerinnen werden sowohl nackt als auch bekleidet sowie in verschiedenen Körperhaltungen dargestellt. Dabei fällt jedoch stets auf den ersten Blick auf, dass es sich um Tänzerinnen handelt - und nicht um normale Frauen.

Die Materialien aus denen die Figuren bestehen, sind breit gefächert: Von Porzellan über Marmor bis hin zu Bronze. Die Tänzerinnen bleiben meist farblich schlicht in der Farbe des verwendeten Materials oder aber sie weisen in einigen Fällen auch starke Farben auf. Auch Elemente aus Glas, Perlmutt oder Gold verzieren diese Figuren, um die Kostbarkeit dieser Objekte zu betonen. Die häufigste Materialzusammenstellung solcher Figuren sind Bronzefiguren auf einem Sockel, der häufig aus Marmor besteht. Neben zarten Tänzerinnen gibt es auch Tiergestalten, die dargestellt werden. Diese Tierfiguren zeigen sehr häufig starke Farben und sind selten in der ursprünglichen Materialfarbe belassen. Vor allem Raubtiere, wie Tiger, Wölfe oder Greifvögel, werden bevorzugt.

Welche Rolle spielen Figuren und Skulpturen im Art Deco?

Art Deco Kunst ist durch Sinnlichkeit und Schönheit gekennzeichnet. Auch wenn Art Deco Skulpturen über die reine Funktion hinausgehen sollen, können sie dennoch eine Alltagsfunktion besitzen. So gibt es zum Beispiel Figuren, die als Bestandteil einer Lampe oder von Möbeln gefertigt wurden. Die überwiegende Mehrheit der Figuren und Skulpturen wurde allerdings zu dekorativen Zwecken erschaffen. Die Art Deco Figuren verkörpern modernes Design und spiegeln auch das neu erworbene Selbstbewusstsein der Frauen wieder, indem das leitende Motiv die Tänzerin ist oder auch allgemein die Weiblichkeit.

Eine der berühmtesten Art Deco Skulptur ist "Die Tänzerin" des rumänischen Bildhauers Dumitru Haralamb Chiparus. Sie zeigt eine Revuetänzerin, die sehr verführerisch in ihrer Haltung wirkt und durch eine besondere Schönheit gekennzeichnet ist. Sie besteht aus Bronze auf einem dunklen Marmorsockel und zeigt viele Details wie Arm- und Haarschmuck. Die Kunstgattung Art Deco zeigt mit ihren Figuren ganz besonders die Veränderungen in der Gesellschaft, vor allem das Erstarken der Frauen und prägt so die Zeit zwischen den zwei Weltkriegen mit ihren Hochs und Tiefs.

Art Deco Skulpturen und ihre Schöpfer

Da sich Art Deco von der reinen Alltagsfunktion abwendet und den Fokus auf Sinnlichkeit, Dekoration und allgemein das Schöne legt, haben Figuren und Skulpturen innerhalb der Kunstgattung einen besonderen Stellenwert eingenommen. Dabei ist der Schöpfer einer Skulptur häufig namentlich nicht so bekannt wie die Skulptur selbst.

Dumitru Haralamb Chiparus und die Tänzerinnen

Der bedeutendste und berühmteste Schöpfer der schönsten Skulpturen innerhalb des Art Deco ist der gebürtige Rumäne Dumitru Haralamb Chiparus. Die von ihm geschaffenen cryselephantinen Skulpturen gehören zu den wichtigsten Werken der Epoche. Vorbild seiner Figuren waren überwiegend Tänzerinnen des berühmten russischen Balletts. Er wollte der modernen Frau der 20er Jahre huldigen und legte daher besonderen Wert auf detailreiche Arbeit und hochwertige Materialien. Bei der Herstellung seiner Skulpturen hat er mit Bronze, Elfenbein und Emaille gearbeitet. Die feinen Gesichter der dargestellten Damen sind stark stilisiert und die überaus schlanke Erscheinungsform ihrer Körper bestechen durch delikate Schlichtheit und noble Eleganz. Eine Skulptur oder Figur von Chiparus gehört heute zu den Werken dieser Epoche, die die höchsten Preise erzielen.

"Die Tänzerin" Chiparus gehört in ihrer elegant grazilen Haltung zu den bedeutendsten Kunstwerken seiner Zeit. Ebenso exquisit wie einzigartig in ihrer Ausstrahlung ist die durch die ägyptischen Königsgräber inspirierte "Ägyptische Tänzerin". Sie besticht durch das feine Elfenbein und die kostbare in rot-gold gehaltene Robe, die wirkungsvoll um ihre Hüften drapiert ist. Zusätzlich zu den vom Ballett inspirierten Tänzerinnen gelten auch seine Skulpturen von Kindern zu wichtigen Kunstobjekten des Art Deco. Dies vor allem deshalb, weil seine erste Serie an Kinderskulpturen noch ganz unter dem Eindruck des Realismus standen. Im Vergleich der Figuren von Kindern und denen der später geschaffenen Tänzerinnen lässt sich die Entwicklung der Kunstgattungen weg vom Realismus und hin zum Art Deco vortrefflich nachvollziehen.

Ferdinand Preiss und das Elfenbein

Der deutsche Ferdinand Preiss hat sich als Elfenbeinbildhauer zu einem der führenden Künstler des Art Deco entwickelt. Seine Hauptschaffenszeigt begann 1910 und endete 1943 mit seinem Tod. Durch das von ihm bearbeitete Material Elfenbein traf er den Nerv des Art Deco und wurde schnell zu einem wichtigen Künstler dieser Zeit. Seine feinen Arbeiten bestanden vorrangig aus Bronze, die er kunstvoll bemalte und in Kombination mit geschnitztem Onyx und Elfenbein veredelte. Während der Kriegsjahre schaffte er einen Teil seiner Kunstwerke nach England und in die USA. In England baute er schließlich eine kleine Werkstatt auf. Eine kleine Auswahl seiner bedeutenden Werke tragen die Namen "Sitzender Akt", "Diana", "Feuertanz" und "Schleiertanz".

Bruno Zach und die Erotik

Ein weiterer wichtiger Künstler der Kunstgattung Art Deco Skulpturen ist der Ukrainer Bruno Zach. Nach seiner Migration nach Australien studierte er an der Wiener Akademie unter Leitung von Hans Bittlicher und Josef Müllner. Die Statuen aus Bronze und Elfenbein von Bruno Zach, der auch teilweise mit Zack signierte, präsentieren große, sehr schlanke und dominierende Frauen mit starker erotischer Ausstrahlung. Besonders sei hier die Statue mit sado-masochistischem Thema "Domina mit Reitgerte" / "The Riding Crop" zu nennen. Weitere bedeutende Werke von Bruno Zach der Kunstgattung Art Deco Skulpturen sind "Lady at Phallus", "Frau mit Hund und Bogen", "Kicking Girl" und "Nude Woman Strip". Originalguss der "Domina mit Reitgerte" erzielten bei einer Auktion im Jahre 2011 über 150.000 $. Nach Werken von Bruno Zach wird ungebrochen nachgefragt.

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