Der österreichische Bildhauer und Keramiker Josef Lorenzl wurde am 1. September des Jahres 1892 in Wien geboren und avancierte zu einem der bekanntesten Bildhauer des Art Déco und muss daher in einem Atemzug mit seinen prominenten Kollegen Ferdinand Preiss (*13. Februar 1882; † 1943) oder Demetre Haralamb Chiparus (* 16. September 1886; † 22. Januar 1947) genannt werden.
Aufgrund der eher schlechten Quellenlage zu den frühen Jahren des Art Déco Künstlers Lorenzl wissen wir heute nicht viel über seine Anfänge als Bildhauer. Bekannt ist nur, dass er zu Beginn seiner Arbeit als Künstler in einer Gießerei im Wiener Arsenal tätig war und dabei das Handwerk des Bronzegießens erlernte.
Das Wiener Arsenal wurde einst als militärischer Gebäudekomplex genützt und befindet sich im Südosten der Stadt Wien, genauer im dritten Wiener Gemeindebezirk. Die Architektur der Anlage wird von mehreren Backsteinbauten dominiert, ihr Grundriss ist rechteckig. In dieser Arsenaler Bronzegießerei fertigte Lorenzl erste überaus beeindruckende Bronzeskulpturen, welche zu einem Großteil Kombinationsplastiken aus den Werkstoffen Bronze und Elfenbein waren. Das zu dieser Zeit bevorzugte Motiv des Bildhauers waren schlanke Tänzerinnen, die er in seinen Skulpturen in eleganten Posen, mit geschlossenen Augen und zumeist unbekleidet portraitierte.
Lorenzl signierte seine Kombinationsplastiken mit zwei variierenden Signaturen; „Lor“ oder auch „Enzel“.
Daneben gibt es auch Skulpturen, die zwar durch die Hand des Bildhauers entstanden, aber von Crejo, einen befreundeten und talentierten Maler, signiert wurden. Mit ihm arbeitete Lorenzl zeitweise zusammen, wobei Crejo die Skulpturen des Bildhauers bemalte.
Neben den Bronze-Elfenbein-Kombinationsplastiken fertigte Lorenzl auch Keramikskulpturen an, die er an die Manufaktur Goldscheider lieferte. Das Atelier Lorenzls befand sich unmittelbar auf dem Firmengelände der Manufaktur in der Staudgasse Nummer 9. Die durch die Hand des Keramikers Lorenzl entstandenen Keramikskulpturen gelten aufgrund ihrer klaren Formensprache mit einfachen Linien und geometrischen Grundformen als besonders begehrte Sammlerstücke. Denn obwohl Lorenzl nur mit einfachen Formen arbeitete, entstanden durch sein Wirken Skulpturen von Tänzerinnen, die bewegende Posen zeigten. Die Skulpturen des Bildhauers und Keramikers avancierten schnell zum Inbegriff der Art Déco Bronze. Auch die berühmtesten Skulpturen der Manufaktur Goldscheider, darunter auch die Darstellung des "Gefangenen Vogel", wurden durch die Hand Lorenzls erschaffen. Die Skulptur des "Gefangenen Vogel" ist eine bekannte Darstellung der deutschen Schauspielerin und Tänzerin Niddy Impekoven (* 2. November 1904 in Berlin; † 20. November 2002 in Bad Ragaz).
Neben den Arbeiten für die Manufaktur Goldscheider fertigte Lorenzl noch Keramiken für die deutsche Firma Hertwig, die Firma Keramos und die Wiener Kunstkeramik und Porzellanmanufaktur AG.
Josef Lorenzl, dessen Frauen- und auch Mädchenakte zu den attraktivsten Bronzen des Art Déco zählen und begehrte Sammlerstücke darstellen, verstarb am 15. August des Jahres 1950 in seinem Geburtsort Wien.