Amedeo Gennarelli war ein Künstler und Bildhauer des Art Deco, der 1881 in Neapel geboren wurde. Der wunderschöne Ort im mittleren Süden Italiens ist nach Rom und Mailand die drittbevölkerungsreichste Stadt des Landes.
Sein Name bedeutet néa pólis, also „Neue Stadt“. Neapel kann auf eine lange und abwechslungsreiche Geschichte zurückblicken, die allerdings von Fremdherrschaft und Unterdrückung geprägt ist. Vor allem in den Museen und Sehenswürdigkeiten der Stadt wird sie wieder sichtbar. Die Hafenburg Castel dell’Ovo beispielsweise stammt in ihren Ursprüngen bereits aus dem 5. Jahrhundert, während das Castel Nuovo verschiedenen Königen als Festung und Residenz diente. Auch zahlreiche Klöster und Kirchen und deren Vertreter der Kurie bestimmten die Geschicke der Stadt. Beispiele hierfür sind die Kathedrale von Neapel (Duomo San Gennaro), die Klosteranlage Santa Chiara und die Klosterkirche San Lorenzo Maggiore.
Eine so geschichtsträchtige Stadt war natürlich auch der Ausgangspunkt für zahlreiche Künstler, darunter für den Maler Giuseppe Abbati (* 13. Januar 1836 in Neapel; † 21. Februar 1868 in Florenz), den Bildhauer und Architekten Gian Lorenzo Bernini (* 7. Dezember 1598 in Neapel; † 28. November 1680 in Rom) und für den Bildhauer Achille D’Orsi (* 6. August 1845 in Neapel; † 8. Februar 1929 ebenda).
Auch Gennarelli machte in der Stadt die ersten Schritte in seiner Künstlerkarriere. Doch er wanderte nach Paris in Frankreich aus, um sich weiterzubilden und sich den neueren Kunstströmungen zu widmen, die in der Zeit um die Jahrhundertwende entstanden.
Paris war für die Beschäftigung mit avantgardistischen Künsten und Künstlern der ideale Ausgangspunkt und nicht wenige Maler, Bildhauer und Grafiker besuchten die Stadt an der Seine, um an der Entwicklung der Kunst teilzunehmen. Amedeo Gennarelli widmete sich zunehmend der Strömung des Art Deco und konnte schon 1913 erste Werke in dem Salon der Société des Artistes Français ausstellen.
Dieser Berufsverband der französischen Maler und Bildhauer wurde 1881 in Paris gegründet und präsentiert bis heute die Werke seiner Mitglieder in einem jährlichen Salon. Als der erste Präsident der Sozietät, der Maler William-Adolphe Bouguereau (* 30. November 1825 in La Rochelle; † 19. August 1905 ebenda), 1890 vorschlug, den Salon weniger bekannten jungen Künstlern zu widmen, um ihnen eine erste Plattform zu bieten, kam es zu einem Zerwürfnis mit den etablierten Mitgliedern des Verbandes wie Auguste Rodin (* 12. November 1840 in Paris; † 17. November 1917 in Meudon) und Pierre Puvis de Chavannes (* 14. Dezember 1824 in Lyon/Rhône; † 24. Oktober 1898 in Paris), die daraufhin ihren eigenen Verband gründeten und weiterhin eigene Werke in den Salons ausstellten.
Die hochästhetischen Skulpturen von Gennarelli sind im Stil des Art Deco entworfen. Die Merkmale dieser Epoche, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand, sind uneinheitlich und vielgestaltig, da sie von mehreren Strömungen beeinflusst sind. Verbreitet sind geometrische Formen, plakative flächige Ornamente und florale Motive. Bei Gennarelli finden sich vor allem erotische und athletische Verarbeitungen dieser Themen, wie man an seinen Figuren „The Carrier Pigeon“ und „Towards Destiny“ besonders gut erkennen kann.
Der italienisch-französische Künstler starb 1943 im Alter von 62 Jahren in Paris.